Hysterie um ein Lehrbuch

Im September 2007 erschien im Berner Schulverlag das neue Lehrmittel „Natur Wert“. "Von Anfang an müssen wir gestehen, dass wir nicht wissen, wie das Leben begann.“ Dieses Zitat von Stanley L. Miller, dem bekannten Biologen und Chemiker, steht auf Blatt 1 „Schöpfung und Evolution – Entstehung des Lebens“ im neuen Naturkundelehrmittel. Auf dieser Grundlage ist das ganze Kapitel über die Entstehung des Lebens aufgebaut. Verschiedene Antwortversuche werden dargestellt, darunter die beiden, die am weitesten verbreitet sind. Erstens: „Gläubige Menschen gehen davon aus, dass jemand oder etwas - Gott / eine höhere Macht – das Universum in seiner ganzen Vielfalt erschaffen habe. Diese Vorstellung wird Schöpfungsglauben genannt.“ Und zweitens: „Vor etwa 150 Jahren verbreitete sich unter Naturwissenschaftern die Vorstellung, es gebe keinen Schöpfer, das Leben sei durch zufällige chemische Prozesse entstanden und die heutige Vielfalt sei das Resultat weiterer zufälliger Veränderungen. Dieses Modell heisst Evolutionstheorie.“

Die NZZ am Sonntag informierte in ihrer Ausgabe vom 4. November 2007 auf den Seiten 1 und 13 über das neue Lehrmittel „Natur Wert“. Die NZZ am Sonntag titelt auf der 1. Seite: „Lehrmittel stellt Darwin und Bibel auf gleiche Stufe“ und auf Seite 13: „Glaube der Wissenschaft gleichgesetzt.“ Und weiter: „Ein Lehrmittel über Schöpfung und Evolution stösst auf Kritik von Fachleuten: Der Inhalt sei nahe am Schöpfungsglauben der Kreationisten und relativiere die Bedeutung von Darwins Evolutionstheorie.“ Auf Seite 13 kommen zwei Vertreter der Evolutionslehre zu Wort, aber kein Vertreter der Schöpfungslehre. Der Verein ProGenesis reagiert mit der Pressemitteilung Nr. 76 „Lehrmittel stellt Darwin und Bibel auf gleiche Stufe“ und im factum-Online erscheint folgender Artikel: Evolutionsvertreter verurteilen neues Schulbuch (05. November 2007/rh.) - Das im September im Berner Schulverlag erschienene Lehrmittel „Natur Wert“ zählt zu den aktuellsten und besten seiner Art. Doch nur schon die Erwähnung, dass viele Menschen an einen Schöpfergott glauben, führt zu heftiger Kritik seitens von Evolutionsvertretern.

Am Montag, 5. November 2007 erscheint auch in der Gratiszeitung „20 Minuten“ ein ähnlicher Artikel wie in der NZZ am Sonntag nur etwas kürzer unter dem Titel „Kreationismus der Evolution gleichgesetzt.“ Besonders positiv sind 5 Kurzinterviews mit jungen Leuten. 4 dieser jungen Leute befürworten, dass in den Schulbüchern neben der Evolution auch die Schöpfung gelehrt wird. Das entspricht ziemlich genau auch den Ergebnissen unserer Umfrage zu diesem Thema (siehe dazu Pressemitteilungen Nrn. 74 und 75).

Am Dienstag, 6. November 2007 wurde das Thema auch vom Tages Anzeiger aufgenommen. Auf Seite 5 wird unter dem Titel „Darwin gilt – nicht die Bibel“ berichtet, dass der Erziehungsdirektor Bernhard Pulver den Text zwar noch nicht gesehen habe, aber trotzdem absolut derselben Meinung sei, dass die kreationistische Auffassung nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiere.

In der neusten Ausgabe der Weltwoche (Nr. 45.07 auf Seite 8) berichtet sie unter dem Titel „Wischiwaschi: Ein neues Schweizer Lehrmittel stellt die Evolutionstheorie als valablen Erklärungsversuch dar. Dazu kommen Amazonas-Mythen, Yoga und eine Kometentheorie.“ Es ist der erste Bericht, bei dem man den Eindruck gewinnt, dass der Autor das umstrittene Buch selber in den Händen gehabt hat. Es handelt sich offenbar nur um 6 Seiten, in denen die Entwicklung des Lebens verständlich gemacht werden soll, davon eine Seite über die Evolutionstheorie. Den Autoren des Schulbuches wirft der Autor vor, dass sie Religion eingeschmuggelt hätten. Offenbar hat er selber noch nicht bemerkt, dass die Evolutionslehre auch nur eine Religion ist.

Am Abend des 7. November berichtete DRS-1 um 18.00 Uhr in den Nachrichten, dass das fragliche Schulbuch überarbeitet werden soll, sodass eine klare Trennung von Religion und Wissenschaft vorhanden sei. Am Morgen des 8. November 2007 wurde um 07.00 Uhr dieselbe Meldung von DRS-1 wiederholt. Am 8. November 2007 berichtete die Pendlerzeitung auf Seite 5 wie folgt über das umstrittene Lehrbuch: Lehrbuch wird überarbeitet. BERN • Die kantonale Erziehungsdirektion (ERZ) will das Lehrbuch «Natur Wert» für die Oberstufe überarbeiten lassen. Das Lehrmittel stellt die Darwinsche Evolutionstheorie gleichberechtigt neben die biblische Schöpfungslehre. Fachleute hatten dagegen protestiert. Die ERZ fordert nun eine klare Trennung von Religion und Wissenschaft. Schöpfung gilt zum vornherein als Religion und Evolution allein ist Wissenschaft! Die Behauptung, dass sich das Leben aus lebloser Materie durch biologisch-chemische Zufallsprozesse entwickelt haben soll, soll Wissenschaft sein?

Am 8. November 2007 erscheint in factum-Online der folgende Artikel: Regierung zieht Unterrichtsblatt aus dem Verkehr (08. November 2007/rh.) – Aufregung im Berner Schulwesen: Ein neues Naturkundelehrmittel war offenbar zu gefährlich, um es in Schülerhände zu geben. Die Erziehungsdirektion reagiert auf Medienberichte und Kritik von Evolutionsvertretern und will „umstrittene Teile“ überarbeiten lassen.

Unser Mitarbeiter, Hansruedi Stutz, hat die Meldung von DRS-1, die am 9. November 2007 um 8.00 in den Nachrichten gesendet wurde, aufgenommen. Nachfolgend der genaue Wortlaut: „Toleranz gegenüber verschiedenen Meinungen und Weltanschauungen ist oft eine heikle Gratwanderung. Etwa in der Schule, wo verschiedene Auffassungen, Kulturen und Wertesysteme direkt aufeinander prallen. Und so kommt es zu heissen Diskussionen, wie etwa jüngst im Kanton Bern, wo in einem neuen Schulbuch im Kapitel über die Entstehung der Erde die biblische Schöpfungslehre und die wissenschaftliche Evolutionstheorie ziemlich gleichwertig dargestellt werden. Weltanschauliche Kontroversen an den Schulen sollten nun aber möglichst verhindert werden mit einem so genannten Wertekanon. Darin sollen unverhandelbare Werte der hiesigen Gesellschaft aufgelistet sein als verbindliche Leitlinien für den Unterricht in Deutschschweizer Schulzimmern. Alexander Sauter. Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver hat rasch reagiert: „Das ist natürlich schon nicht der Inhalt, den wir mit einem Lehrmittel herüberbringen wollen.“

Nun wird das Schulbuch überarbeitet, in welchem die Evolution und die Schöpfungslehre als gleichwertig interpretiert werden konnten und zu wenig klar als Wissenschaft, beziehungsweise religiöse Anschauung eingeordnet wurden. Wohl deshalb, so Anton Strittmatter vom Schweizer Lehrerverband, weil das Autorenteam es allen recht machen wollte. Heutzutage werden unterschiedliche Weltanschauungen toleriert. Dies zeige sich auch im Schulzimmer. „Die Lehrer und Lehrerinnen geraten immer häufiger in Konfliktsituationen, in denen unterschiedliche Glaubensüberzeugungen, unterschiedlich Werte von Schülerinnen und Schülern oder deren Eltern aufeinander prallen.“ Um den Lehrkräften dabei eine Orientierungshilfe zu geben, wird im neuen Deutschschweizer Lehrplan nun ein Kanon, eine Art Vorsätze geprüft, in welchem die nichtverhandelbaren Werte der Schweiz dargestellt würden, z.B. Gleichheit von Mann und Frau, Meinungsäusserungsfreiheit, Schutz vor körperlichen Strafen. Welche Werte wie im Deutschschweizer Lehrplan stehen sollen, darüber ist noch nicht entschieden. Nächstes Frühjahr wird wohl ein Entwurf in die Vernehmlassung geschickt. Anton Strittmatter: „Da ist damit zu rechnen, dass dann alle gesellschaftlichen Kräfte darüber herfallen werden und daraus eine schwierige Konsensfindung wird.“ Anton Strittmatter vom Schweizer Lehrerverband.“

In den Wertekanon sollte noch die Tatsache aufgenommen werden, dass das Entstehen von Leben aus lebloser Materie noch nie beobachtet wurde und dass es dafür bis heute noch keinen experimentellen Beweis gibt. Solange das so ist, hat die Entstehung des Lebens absolut nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern ist reine Spekulation. Die ganze Aufregung über das neue Lehrmittel zeigt auf, welche Macht die Medien ausüben können und wie die Evolutionslehre von den Medien und von Evolutionisten fälschlicherweise als wissenschaftliche Tatsache vermittelt wird. Vom ersten Bericht in der NZZ vom 4. November 2007 hat es nur gerade 5 Tage gedauert, bis die Erziehungsdirektion Bern dem Druck der Medien nachgegeben hat. Wo bleibt da die viel gepriesene Meinungsfreiheit?

 ProGenesis, Gian Luca Carigiet, 9. Dezember 2007

 

Referenz: www.progenesis.ch           


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